Mittwoch, 14. Januar 2015

Ich bin nicht Charlie

Ich will mich nicht zu denen einreihen, die schon irgendwelche Verschwörungstheorien zu Charlie Hebdo spinnen. Ich finde dass man da durchaus betroffen sein darf. Ich bin für Meinungsfreiheit. Und so weiter. An sich habe ich auch überlegt, ob ich denn Charlie bin. Aber langsam reichts. Inzwischen ist jeder Charlie. Die EU, die SPD... so viele, dass ich mich frage was das soll. Manche Muslime empfinden es langsam als Provokation und zwar nicht weil sie radikal sind, sondern weil sie den Verdacht bekommen, dass man uns auf sie hetzen will. Und ich stehe kopfschüttelnd und etwas verwirrt daneben und frage mich, warum ich eigentlich Charlie sein sollte. Ich bin doch nicht Charlie, oder?
Niemand hat mich umgebracht, weil ich in der Meinung von irgendwelche Terroristen zu frei in meiner Meinung war. Aber dann ist es doch überheblich, zu sagen, ich wäre Charlie, wenn ich doch bisher nie wirklich provoziert habe. Ich bin überhaupt nicht einer Meinung, mit dem, der sagt, dass die ganze Charlie Hebdo Geschichte von  irgendwelchen Geheimdiensten inszeniert wurde. Aber er hat trotzdem recht, wenn er sagt, dass die SPD heuchelt, wenn sie sagt, dass sie Charlie ist, wenn sie gegen die Titanic vor Gericht gezogen ist, um sie zu verbieten. Dann frage ich mich, wie das mit den Menschen in Syrien ist, die gerade von der IS abgeschlachtet werden (Und es sind nicht nur Christen, sondern auch Muslime, die gegen die Radikalisierung des Islams  in diese Richtung sind!). Für die interessiert sich offenbar keiner. Irgendwelche Morde der Boko Haram an Christen in Nigeria? Kaum ein pieps davon in den Nachrichten. Da wird es mir zu viel. Ich finde, dass der Ausspruch: "Je suis Charlie" nicht mehr wert ist, wenn ihn jeder findet. Und darüber sollte man auch nachdenken. Ich bin nicht Charlie, ich bin die Mulan

Wie steht ihr dazu? Seid ihr auch Charlie, oder macht euch das ganze Getue darum auch langsam stutzig?

9 Schlümpfe

  1. Darüber mach ich mir auch schon länger Gedanken. Meinetwegen kann jeder Charlie sein, das ist mir völlig gleich. Ich hab kurz auch schon überlegt, ob ich das auf meinem Blog oder so einbinden soll, aber ich war mir mit meiner Meinung unsicher. Bin ich mir immer noch. Mein großes Problem ist: Worauf soll das hinauslaufen? Was wird damit bezweckt? Und vor allem: Warum wird es uns nicht ermöglicht, uns selbst eine Meinung zu bilden? In jeder Zeitung wird das Satire-Magazin fast schon "heilig" gesprochen, weil sie sich trauen, ihre Meinung zu sagen, weil sie auch nach dem Anschlag weiterhin den Islam kritisieren, weil sie so die Pressefreiheit verteidigen. Klar, dass das jede andere Zeitung super findet. Und was mich am meisten wundert: Nirgends wird erwähnt, dass in Deutschland Charlie Hebdo nicht einmal so weit gehen und die Anhänger einer Religion beleidigen dürfte. Stattdessen wird die Zeitung in Deutschland verkauft und die toten Journalisten verherrlicht.
    Mir schwirren noch tausend Gedanken dazu im Kopf rum, aber ich will den Kommentar hier jetzt nicht ausufern lassen :D Ich will aber unbedingt auch noch einen Post dazu schreiben.
    Liebe Grüße
    Lioba :)

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    1. Hmm, an sich kann man zwar streiten, was Charlie Hebdo da so alles veröffentlicht hat, aber das ist mir dann auch mehr oder minder Wurst. Da ist durchaus ihre Meinungsfreiheit, aber bewerten will ich das auch nicht. Ich lasse den Lebenden und den Toten ihre Meinung, solange sie mich am Leben lassen, (hört sich jetzt hart an) aber ich mache eben nicht mit.

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  2. Ich hatte auch kurz überlegt, ob ich mir das "Je suis..."-Logo auf fb für eine Zeitlang verpassen sollte, es war mir dann aber etwas zu pathetisch. Wie schrieb einer? "Ich bin nicht Charlie, meine Frau ist keine Witwe" oder so ähnlich. Wobei dem sicher auch klar war, dass es um den Solidaritätsgedanken geht...
    Ich war von dem Anschlag auch geschockt. Danach habe ich mir darüber Gedanken gemacht, warum dieser so vielen Menschen anscheinend näher geht als z. B. die tausenden von Menschen, die der IS schlachtet, die häufigen Selbstmordattentate in Israel etc.
    Ich glaub, es spielen zwei Sachen stark mit rein: Diese furchtbaren Vorfälle sind weiter weg von uns. Nicht nur geographisch, sondern auch kulturell ist uns z. B. Frankreich näher als Iran, Irak, Libyen, Syrien... Der Anschlag auf Charlie Hebdo (die Zeitschrift kannte ich vorher nicht mal) geschah quasi in der Nachbarschaft. In unserer westeuropäischen Kultur. Frankreich kennt jeder, die meisten wissen, wie der Präsident dort heißt, kennen die Spezialitäten, viele waren schon im Urlaub dort...
    Noch ein Grund, denke ich: An den anderen Schrecken gewöhnt man sich, da er länger anhält. Monate, Jahre, Jahrzehnte. Bei mir setzt irgendwann ein gewisser Verdrängungsprozess ein, denn wie soll man jeden Tag immer wieder diese Grausamkeiten ertragen? Immer, wenn ich wieder einen Artikel über z. B. den IS, Boko Haram lese, geht es mir richtig schlecht.
    Vielleicht ist es auch die Ohnmacht, durch das "weiter weg" nichts tun zu können, während man hier zumindest auf eine Solidaritätskundgebung gehen könnte. Und auch Pegida (fürs Protokoll, ich bin Pegidagegner) treibt ja an, hier etwas verändern zu können.
    Das sollen keine Verallgemeinerungen sein, ich glaube aber, dass das einige Gründe bei vielen Menschen sind, dass solche Terroranschläge in westeuropäischen Ländern uns viel mehr beschäftigen. Und im kulturellen Sinne sind uns ja auch die USA recht nah, darum auch die große Anteilnahme an 9/11. Was wäre passiert, wenn Terroristen die Flugzeuge z. B. in ein asiatisches Hochhaus gesteuert hätten? Natürlich wäre das auch ein großes Thema, aber so intensiv wie 9/11 hier in den westlichen Medien wäre es wohl nicht geworden.
    Usw., ich komme schon wieder in den gefürchteten Schwallmodus...

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    1. Die westlichen Medien sind im allgemeinen eigentlich sehr selbstbezogen, was das angeht. Aber jedes Land ist Politisch irgendwie selbstbezogen. Wir im Westen sind bloß scheinheiliger...
      Ich finde aber, dass etwas, das weit weg ist, trotzdem nicht weniger berichtet werden sollte. Wobei ich glaube, dass der kulturelle Aspekt gewichtiger ist. Die Mondlandung war ja weiter weg als China und trotzdem in aller Munde... Die Terroristen haben vermutlich auch weniger ein Problem mit China als mit uns. Ich glaube schon, dass da eine gewisse eigene Arroganz auf uns zurückschlägt. Ich habe manchmal den Verdacht, dass Entwicklungshilfe bei uns vor allem deshalb unter den Tisch fällt, weil viele Menschen heimlich (Das ist eine Unterstellung und Vermutung, aber ich habe diesen Verdacht) oder unterbewusst die Angst haben, dass Länder, die momentan noch nicht weit genug entwickelt sind, uns wirtschaftlich aufgrund ihrer Ressourcen irgendwann übertrumpfen könnten. Und dass viele Menschen bei zwar einerseits gerne einen "guten" Westen haben und andererseits einen Westen, der immer noch Chef auf der Welt ist. Wobei dann so etwas wie Pegida rauskommt, bei der die Menschen, die in Wirklichkeit Angst davor haben, von der Vorstellung: "Wir im Westen, wir sind die Besten" (oder so ähnlich) Abschied nehmen zu müssen und Fremdenfeindlichkeit eine untergeordnete Rolle spielt. Allgemein gesagt, nur ein Verdacht. Aber er it da.
      Ich finde, dass die Ziele der Pegida nicht ganz klar definiert und formuliert sind, also weiß ich gar nicht, wogegen ich sein soll. Wenn man die Leute fragt, wird klar, dass die alle nicht so genau wissen, was sie wollen und es kommen die unterschiedlichsten Dinge raus...

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  3. Ich kopiere mal Auszüge rein und setze meinen Senf darunter, denn ich bin faul. :-)

    "Ich finde aber, dass etwas, das weit weg ist, trotzdem nicht weniger berichtet werden sollte. "

    Ja, definitiv. Mir sind selbst die öffentlich-rechtlichen Nachrichten teilweise zu westeuropäisch orientiert. Öfter mal übern Gartenzaun zu gucken, kann nicht schaden...

    " Die Terroristen haben vermutlich auch weniger ein Problem mit China als mit uns. Ich glaube schon, dass da eine gewisse eigene Arroganz auf uns zurückschlägt."

    Ja, und der Israel/Palästina-Konflikt und die Angriffe der USA und Co. auf arabische Staaten...

    "Ich habe manchmal den Verdacht, dass Entwicklungshilfe bei uns vor allem deshalb unter den Tisch fällt, weil viele Menschen heimlich (Das ist eine Unterstellung und Vermutung, aber ich habe diesen Verdacht) oder unterbewusst die Angst haben, dass Länder, die momentan noch nicht weit genug entwickelt sind, uns wirtschaftlich aufgrund ihrer Ressourcen irgendwann übertrumpfen könnten."

    Das argwöhne ich auch schon länger. Plus die Angst, dass diese Länder dann keine billigen Rohstofflieferanten mehr wären... Es ist schwer zu sagen, inwieweit die Politik der Ersten Welt bewusst so gesteuert wird, aber dass Wirtschaftspolitiker so was im Hinterkopf haben, da bin ich mir ziemlich sicher.

    "Wobei dann so etwas wie Pegida rauskommt..."

    Die offiziellen Ziele der Pegida sind ja sogar recht moderat formuliert. Wenn man sich aber auf facebook mal so die Kommentare durchliest, merkt man, dass da eine ungute Mischung brodelt. Und auch die Menschen, die sich Sorgen um bestimmte Themen, z. B. die Rente machen, was ja durchaus begründet ist, ziehen allzu häufig den Schluss, dass das ja alles so ist, weil ja angeblich so viel Geld für die Flüchtlinge ausgegeben wird. Viele Pegida-Anhänger kommen aus der Mittelschicht. Die fürchten um ihren (mehr oder weniger bescheidenen) Wohlstand, auch das nicht so unbegründet, aber diese Furcht wird dann zu oft auf den Rücken der Asylbewerber ausgetragen, da läuft ein ganz übles "Spiel"; die Gründe, dass die Kluft zwischen Arm und Reich immer weiter auseinander geht, liegen aber ganz woanders.

    Und dann verlinkt jemand, den man schätzt, auf facebook einen Artikel mit einer Karte, die beweisen soll, dass ganz Deutschland von Asylheimen zugepflastert ist, und in dem dazugehörigen Artikel findet man einen Jargon, der teilweise an NS-Sprache erinnert... Wir gehen hier glaube ich sehr streitlustigen Zeiten entgegen, in der viele die Grenzen einer guten Streitkultur meilenweit überschreiten werden. :-(

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  4. Du hast es jetzt somit geschafft, den längsten Kommentar zu schreiben, den ich jemals auf einem Blog bekommen habe. Jedenfalls gefühlt :D. So faul bist du also doch nicht ;-)
    Jetzt weiß ich auch kaum noch, wie ich antworten soll.
    Ich bin gerade sowieso in dem Thema drin, weil ich das Thema auf einem Politikseminar für Schüler hatte und wir da über Islamismus geredet haben. Heute lag bei uns der Focus (mein Vater hat den abonniert) und da steht dann gleich auf der Titelseite vom Sinn her, dass Islam und Islamismus fast das gleiche ist. Was ja prinzipiell irgendwie stimmt, aber es ist eben doch ein Unterschied zwischen beidem. Ich meine, meine türkischen Klassenkameraden rennen nicht mit Kalaschnikows durch die Gegen und und tragen auch keine Bomben am Gürtel. Und die Asylanten, die bei uns in der Stadt untergekommen sind (Die haben inzwischen fast alle eine Wohnung) auch nicht. Da finde ich es einfach widerlich, wenn der Focus so etwas schreibt. Und dann stellen die Forderungen, dass die Muslime ein anderes Selbstverständnis von
    Vermutlich ist das das Problem von Pegida: Die haben offiziell keine klaren Ziele, bzw. Ziele, von denen kauum einer Bescheid weiß. Und wer immer da mitmacht, kann sich dann selber was dazudichten, wie es ihm passt, sodass dann eben alles mitreinrutscht, weil die keinen "Themenfilter" haben, sodass dann eben das rechtsextreme Gedankengut nicht aussortiert wird.
    Ich kenne einen Blog von einer, die ihre Augen "blind" auf die moderaten Ziele der Pegida richtet und dann immer betont, wie harmlos die sind und auch dagegen wettert, dass Pegida derart verhunzt wird, aber ich glaube, die Mehrheit der Pegidaanhänger interessiert das gar nicht mehr.

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    1. Bei Politik neige ich dazu, ausufernd zu werden. :-)
      Der Focus ist auch ein gutes Gegenbeispiel für die Behauptung einiger Konservativer, dass die deutsche Presse ja mittlerweile total links durchsetzt sei. (Einige Behauptung, die schon seit einigen Jahren durch die Landschaft wabert.)
      Teile Deine Meinung zu dem Focus-Artikel zu 100 %. Eine schlimme Behauptung. Man kann sicher nicht sagen, dass der Islam gar nichts mit solchen Terrorakten zu tun hat, aber Islam und Islamismus quasi gleichzustellen oder zumindest für ähnlich zu halten, bedeutet, eine Menge Öl ins Feuer zu gießen.
      Der Islam hat sicher das Problem, dass in seinem Namen viel Politik gemacht wird. Paradebeispiel Iran. Aber gerade wegen solcher Diktaturen und dem Terrorismus fliehen ja auch viele Gläubige, die möchten einfach nur in Frieden leben...
      Rechtsextreme Politiker versuchen ja gern, sich bei fast jeder neuen Bewegung oder Partei anzudocken. Auch die Piraten hatten damit ihre Probleme, die AfD sowieso.
      Mein Problem mit Pegida ist in der Hauptsache wirklich, dass sie meinen, an vielen Problemen seien die Asylbewerber schuld -- nach dem Motto, immer auf den noch Schwächeren. Und die überzeugten Pegida-Leute verweigern ja meistens sowieso mittlerweile jede Diskussion. Natürlich sind sie auch oft hart angegangen worden, auch mit heftiger Satire -- aber gerade, wenn sie doch hier unsere westliche Welt schützen wollen, sollten sie damit umgehen können? Wichtig wäre, dass sie erst mal die ganzen braunen K***köppe aus ihren Reihen entfernen und nicht immer nach der vermeintlich simpelsten Lösung schreien.

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    2. Erstmal, tut mir Leid, dass ich zum Antworten so lange gebraucht habe. Aber ich war auch eine zeitlang ziemlich aus dem bloggen raus (warum wirst du eventuell in den nächsten Tagen erfahren) und zusätzlich habe ich das Tab, in dem ich dir eigentlich schon geantwortet hatte, gelöscht, bevor ich den Kommi abgeschickt habe :-/. Aber besser zu spät als nie :-)
      Ich sollte auch gründlicher Korrekturlesen, denn der eine Satz
      "Die Muslime sollten ein anderes Selbstverständnis *abgehackt*" sollte wohl so ähnlich zu Ende gehen, dass ich der Meinung bin, dass die meisten Muslime ein vollkommen anderes Selbstverständnis haben als Islamisten und dass man ja Taten, die Anders Breivik oder die NSU begangen haben, auch nicht gleich auf alle Europäer, bzw. alle deutschen münzt. Warum also etwas, das einzelne Muslime tun auf alle ummünzen? Soweit zu Korrektur... leider schreibe ich Kommentare nicht geradlinig, sondern fange meistens irgendwann an, wieder in der Mitte etwas anzufügen oder zu ändern... dabei werden sie meistens auch eeewig lang... ja, Feuer ins Öl gießen trifft es.
      Der Behauptung bin ich auch schon begegnet, vor allem auf Blogs, aber ich stimme dir vollkommen zu, was den Focus angeht. Wobei ich manchen der eher unpolitischen Artikel im Focus sogar zustimme, da ging es auch darum, dass man Programmieren als Schulfach einführen sollte und dem stimme ich dann doch zu, aber das ist eben weit abseits von den wichtigen politischen Themen.
      Hmm, das ist mir neu. Dass neue Parteien Probleme mit Rechtsextremen haben... vermutlich geht es Pegida, auch wenn es keine Partei ist, so ähnlich: Sie hatten leider ein paar Dockstellen, an denen die Neonazis ankoppeln konnten... vielleicht wird die Pegida ohne Lutz Bachmann diskussionsfähig, wer weiß. Ich finde die Idee, überhaupt eine Einwanderungspolitik einzuführen gut, aber weder nach britischen Vorbild noch nach den Vorstellungen von Rechtsextremen. Also, ich finde Pegida eigentlich auch nicht toll. Aber vielleicht fangen die Leute dann endlich mal an, darüber nachzudenken (und hoffentlich zu dem Schluss kommen, dass die Probleme nicht bei Muslimen und nicht bei Asylsuchenden liegen) Vermutlich eine Utopie.

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  5. "Eine Behauptung..." nicht "Einige..." Seufz, ich sollte gründlicher Korrektur lesen...

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Ich freue mich über alle Schlümpfe! Rumschlumpfen erwünscht!